Mai 1999

 

Es war Freitag der 21. Mai 1999 / 16.00 Uhr, es regnete schon fast seit einer Woche, der Bodensee trat über die Ufer, in Tirol und Vorarlberg gingen Muren ab, ich 'parkte' auf der Südost Tangente im Stau vor dem Pfingstwochenende und sollte zu dieser Zeit bereits fertig bepackt zum Treffpunkt mit unseren Freunden Andreas und Andrea unterwegs sein. Sozusagen die besten Voraussetzungen für unsere erste Ausfahrt mit einem gecharterten Wohnmobil. Wenigstens ergab sich durch den Verkehrsstillstand die Möglichkeit, mich mit dem riesigen Gefährt vertraut zu machen, welches die stolzen Maße von L6,8mxB2,2mxH2,9m aufwies. Nach dem Motto 'irgendwann kommt jeder nach Hause...', traf ich endlich mit einer Verspätung von einer Stunde daheim ein, das Fahrzeug wurde beladen und es ging ab - Richtung Süden zum gemeinsamen Treffpunkt.  
 

 Bild 1: Frühstück auf dem Heurigenparkplatz am
           Reinischkogel

Die geplante erste Tour wurde zeitbedingt abgeändert und führte uns nur in die Nähe von Graz, wo wir uns bei einem Heurigen an der Schilcher Weinstraße mit Bretteljausen stärkten. Der Heurigenparkplatz mit Ausblick auf das Grazer Becken diente uns als erstes Nachtquartier. Die Müdigkeit (oder war´s der Wein?) war so groß, dass uns nicht einmal das turbulente Treiben einer Hochzeitsgesellschaft aus dem Schlaf reißen konnte.


 

Sehr zeitig am Samstag (für unseren Zeitbegriff - mitten in der Nacht) frühstückten wir und machten uns auf den Weg Richtung Osttirol. Glücklicherweise hatte es in der Nacht zu regnen aufgehört, sodass wir auf den trockenen Straßen recht gut vorankamen. Über den Packsattel, Villach, Lienz und das Defereggental ging es weiter zum Staller Sattel (2.052m). Die zeitabhängige Einbahnregelung vom Pass nach Italien zwang uns zu einer halbstündigen Pause die wir mit einem kurzen, aber kräftigen 'Einschnitt' überbrückten. Die idyllische Stille wurde nur von den heftig an unser Auto trommelnden Schneebällen einer Motorradgang unterbrochen und für mich war klar, dass es nichts Schlimmeres gibt als eine Gruppe von 20 Motorradfahrern aus dem nordwestlichen Nachbarland! Da die italienische Passstraße vorwiegend nur einspurig ausgebaut ist und man max. 15 Minuten für die Strecke benötigt, ist die Abfahrt ausschließlich von der 1. - 15. Minute einer jeden Stunde erlaubt. Der ersten engen und niedrigen Durchfahrt sahen wir auch alles andere als relaxt entgegen, hatten wir doch noch die mahnenden Worte des Vermieters im Ohr: 'Passn´s ma bitte auf den Alkoven auf, der muss fast jedes mal dran glauben ...' Als Alkoven wird der Aufbau über der Fahrerkabine bezeichnet, in dem zwei Erwachsene wirklich reichlich Platz zum Schlafen finden.


 

Weiter ging es über den Furkelsattel nach St. Kassian, wo wir unseren ersten Gebirgs-Campingplatz auf 1670m ansteuerten. Wie beim Segeln wurde auch hier eine Platzrunde gedreht um einen geeigneten und schönen Stellplatz für unsere beiden Wohnmobile zu finden. Aufgrund der geringen Anzahl an belegten Parzellen, hatten wir die Qual der Wahl. Andy und Andrea als erfahrene Camper (deren Reisen hier nachgelesen werden können), hatten schnell ihr Gefährt mit Hilfe von Keilen in die richtige Lage gebracht - wir nahmen eine leichte Schräglage in Kauf und konnten daher die Gläser nicht voll füllen *g*. Die übrige Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir mit einem kleinen Rundgang und genossen den herrlichen Ausblick auf die umliegenden Berge, welche durch die Niederschläge in den letzten Tagen wieder tief verschneit waren.


 

Der Sonntag begann mit fast 'keiner' Außentemperatur, sodass wir von unserem sonst üblichen Morgenwaldlauf Abstand nehmen mussten - wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten ;-) - aber dafür lachte uns schon beim Frühstück die Sonne entgegen. Zuerst ging´s auf das Grödner Joch (2121m), weiter zum Sellajoch (2244m), Mittagessen auf dem Fedaiapass (2057m) mit traumhaften Ausblick auf die Marmolada (3043m), danach der Falzaregopass (2105m) und letztendlich über den Valparolapass (2192m) zurück zum Campingplatz. An diesem absolut genialen Tag kam es uns vor, als hätten wir mehr Höhenmeter als Straßenmeter zurückgelegt und dank der fehlenden Servolenkung kamen auch schon die ersten Blasen an den Händen :-/
Da sich die Außentemperatur recht gut entwickelt hatte und das Wetter stabil blieb, wurde der Griller ausgefasst und kurz danach brutzelten die ersten Koteletts auf dem Rost. Andy 'bewachte' den Griller, während ich den Drahtdipol für das 40m Kurzwellenband zwischen zwei Bäumen spannte und den ersten Kontakt in die Heimat herstellte. Nun, es werden sich jetzt einige fragen, wo denn im Zeitalter der Handys (wir hatten drei dabei) der Reiz am Funken liegt? Ganz einfach, wir alle sind schon seit sehr vielen Jahren lizenzierte Amateurfunker und gewöhnt, vom Ausland (weltweit) mit unseren daheimgebliebenen Funkfreunden Kontakt zu halten. Dies war uns auch schon in Zeiten möglich, als man für die ersten Mobiltelefone noch einen 'Koffer' nachschleppen musste, und es dann doch nur in den Ballungszentren funktionierte.
Mit vollen Bäuchen von dem üppigen Mahl schleppten wir uns in das nahegelegene trockene Bachbett um neben dem Suchen von ausgefallenen Steinen auch ein bisschen Bewegung zu machen.


 

Der Plan für Montag sah neben weiteren Pässen und einer kleinen Wanderung, die anschließende Übernachtung auf dem Parkplatz der Drei Zinnen in 2800m Höhe vor. Die schon fast bekannte Strecke über den Passo di Valparola, Passo di Falzarego führte uns nach Cortina d´ Ampezzo. Weiter ging´s über den Passo Tre Croci (1805m) zum Misurina See, der uns mit seinem malerischen Ausblick auf das Massiv der Drei Zinnen einen Stopp zum Fotografieren  geradezu aufzwang. Mit dem Fernglas konnten wir die großen gelben Bagger ausmachen, die gerade bemüht waren die Straße von den immer noch vorhandenen Schneemassen zu befreien, was leider bedeutete, dass sowohl unsere geplante Wanderung als auch Gebirgsübernachtung ins Wasser fiel (wäre schon eine gute Funklage gewesen <g>).

Nach einem Blick auf die Karte wurde die Wanderung weiter nach Norden versetzt und so machten wir uns auf den Weg in Richtung Dürrenstein. Durch einen Taleinschnitt konnten wir die Drei Zinnen sehr schön von der anderen Seite betrachten. Die Straße auf den Dürrenstein wurde zusehends enger und steiler und ging bald in nur einen Fahrstreifen über. Nach einem von vielen Fotostopps hatten wir große Mühe, mit dem schweren Gefährt auf der Steigung wieder wegzukommen. Endlich am Parkplatz angelangt hatten wir etwas Zeit, das herrliche Panorama zu genießen. Schnell waren die Bergschuhe angezogen, der Rucksack gepackt und wir brachen zu einer kleinen Wanderung auf. Im Rücken die Hohe Gaisl mit 3146m marschierten wir auf den Almwiesen, wo gerade die ersten Sommerblumen, wie Krokus, Enzian usw. ihre Blüten öffneten. Nach dieser geradezu 'ungesunden' Anstrengung mussten wir uns sofort mit einer ausgleichenden Nahrung (Spiegeleier mit Speck) stärken, was natürlich ein kleines Verdauungsschläfchen erforderlich machte. Am späten Nächmittag machten wir uns wieder auf den Heimweg, diesmal über eine andere Strecke, die uns auf den Passo Giau (2233m) führte. Wie auf den meisten anderen Pässen waren auch hier neben den zahlreichen Liftanlagen, die Spuren des Wintersports noch zu sehen. Bald waren wir wieder 'daheim' und genossen die Pizze, die wir schnell aus dem Restaurant des Campingplatzes geholt hatten. 

 

Am Dienstag hieß es zeitig aufstehen und zusammenpacken. Leider hatte dieser Kurzurlaub sein Ende und wir mussten die Heimreise antreten. 


 

BEMERKUNGEN:



Zum Wohnmobil:


Der 'LMC Liberty 6400' ist eigentlich für eine 4- bis 6 köpfige Familie gedacht und man hat dementsprechend viel Platz. Für unsere Bedürfnisse war er natürlich viel zu groß. Auf alle Fälle kann man diese Art von Campen mit dem Segeln vergleichen - man ist unabhängig, wo es gefällt, bleibt man, das Platzangebot und der Komfort sind auch ziemlich ähnlich. 



Zu Südtirol:


Klarerweise sind die Dolomiten mit den kurvenreichen Pässen ein beliebtes Ziel für Motorradfahrer - wir sind an diesen drei Tagen wahrscheinlich Tausenden begegnet.  Ansonsten hat es uns sehr gewundert, dass zu Pfingsten nicht mehr los war, sowohl auf den Straßen, als auch auf den Campingplätzen. Südtirol ist wirklich sehenswert und sogar für einen Kurzurlaub durchaus geeignet.

 

 Bild 2: Campingplatz St. Kassian (1670m)

 Bild 3: Ausblick vom Campingplatz auf den Cunturines
           (3064m)

 Bild 4: Panorama vom Sellajoch

 Bild 5: Passstraße auf den Falzarego (2105m)
 Bild 6: Passo di Valparola (2192m)
 Bild 7: Grillerei auf dem Camingplatz

 Bild 8:

 Steine suchen im
 Flussbett neben
 dem Campingplatz

 Bild 9:

 Blick vom Misurina
 See auf die drei
 Zinnen

 Bild 10: Auffahrt zum Dürrenstein
 Bild 11: Wanderung am Dürrenstein, Blick auf die
            Hohe Gaisl (3146m)
 Bild 12: Wildbach am Fuße des Dürrensteins
 Bild 13: auf dem Weg zum Passo Giau (2233m)

 

 


Letzter Update: 23-12-08